„Gleiche politische Teilhabe: Erprobung von Ansätzen einer aufsuchenden politischen Bildung im Quartier”

Im Rahmen der Ressortübergreifenden ressortübergreifenden Strategie „Soziale Stadt – Nachbarschaft stärken, Miteinander im Quartier“ fördern das Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat und die Bundeszentrale für politische Bildung das Modellprogramm „Gleiche politische Teilhabe – Erprobung von Ansätzen einer aufsuchenden politischen Bildung im Quartier“. In Kooperation mit der Berliner Landeszentrale für politische Bildung und der neu gegründeten Bundesarbeitsgemeinschaft „Aufsuchende politische Bildung“ werden modellhaft in vier Berliner Bezirken Ansätze der aufsuchenden politischen Bildung erprobt, um politische Teilhabe und Integration zu fördern.

In Stadtteilen und Quartieren mit erhöhten sozialen Anforderungen gibt es einen besonderen Handlungsbedarf im Hinblick auf politische Teilhabe und Integration, da das Interesse an Politik und an politischen Bildungsangeboten stark vom sozialen Status abhängt. Dies schlägt sich beispielsweise in der Wahlbeteiligung nieder, aber auch in den meisten informellen Formen der politischen Teilhabe (z. B. aktiv in Bürgerinitiativen etc.) und dem bürgerschaftlichen Engagement. Der Rückzug aus öffentlich-politischen Arenen wird durch Diskriminierungserfahrungen im Alltag, z. B. am Arbeitsplatz, im Bildungsbereich oder im Wohnumfeld noch verstärkt.

Während sich fast die Hälfte der Menschen in Deutschland von politischen Fragestellungen nicht angesprochen fühlt, fehlt anderen der rechtliche Zugang zu politischer Teilhabe: Zentrale Teilhaberechte sind an die deutsche Staatsangehörigkeit gekoppelt, die vielen Menschen nicht offenstehen. Die Aktivierung und Schaffung von Zugängen zur politischen Teilhabe und Einflussnahme für alle sind wichtig, um die demokratische Repräsentativität sicherzustellen.

Durch eine aufsuchende politische Bildung sollen Hemmungen, welche durch Mechanismen der Selbst- und Fremdausschlüsse und diskriminierende Signale entstehen, überwunden werden. Die aufsuchende politische Bildung setzt an der Lebenswelt der Teilnehmenden an und entwickelt daraus politische Themen. Die Teilnehmenden der Angebote werden eingeladen, die Relevanz politischer Fragestellungen für ihren Alltag wahrzunehmen und werden gleichzeitig darüber informiert, welche Einfluss- und Beteiligungswege ihnen offenstehen. Das können zum Beispiel aufsuchende Workshops zum informierten Wahlgang sein, kreative Interventionen während eines Straßenfestes („Stellen Sie sich vor, Sie sind für einen Tag Bürgermeisterin. Was machen Sie als erstes?“), die partizipative Vorbereitung eines gemeinsamen thematischen Kiezspaziergangs, währenddessen sich neue und alte Kiezbewohner*innen kennenlernen - oder vieles mehr. Solche Formate fördern zugleich den – auch interkulturellen – Dialog zwischen unterschiedlichen Gruppen im Stadtteil und können helfen Ressentiments abbauen.

Für das Modellprogramm werden in Berlin vier Sozialräume mit unterschiedlichen Bevölkerungszusammensetzungen und spezifischen Problemlagen in Ost- und Westberlin sowie im Stadtzentrum und am Stadtrand ausgewählt. Diese Heterogenität erlaubt die anschließende Übertragbarkeit der Ergebnisse in den bundesweiten Kontext.

Das Projekt wird von 2020 bis 2024 durchgeführt und vom BMI mit insgesamt rund 1.0 Millionen Euro gefördert.

Gemeinsam mit

Ansprechpartnerin

Annette Wallentin
Berliner Landeszentrale für politische Bildung
Hardenbergstraße 22-24
10623 Berlin